Chronik

Die Anfänge

Die Anfänge eines organisierten Feuerlöschwesens in Griesheim am Main liegen vermutlich in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648), als das damalige Agrar- und Fischerdorf Griesheim die Begleiterscheinungen dieser großen militärischen Auseinandersetzung um die Vorherrschaft in Europa in Form von Brandschatzungen und Feuersbrünsten in starkem Maße zu spüren bekam. Damals hingen Feuereimer hinter jeder Tür eines „Haussassen“ (Besitzer von Haus- und Grundeigentum). Damit hatten im Brandfall die Hausbesitzer unverzüglich an die Brandstätte zu eilen. Mit wenigen Ausnahmen waren schon zu dieser Zeit Ortsbürger bis zu einem gewissen Alter verpflichtet, Feuerlöschdienste zu leisten.

Bereits im Jahre 1687 ließ man Feuerhaken und Feuerleitern anfertigen. Wenige Jahre später entstand das erste Feuerwehrleiterhaus, in dem auch Feuereimer lagerten. Ab dem Jahr 1693 setzte man „Feuerläufer“ ein, die bei Ausbruch von Bränden im Ortsgebiet die Botschaft schnell in die benachbarten Orte brachten. In dieser Zeit erfolgte auch der Übergang zu einem planvollen Löschwesen. Zuvor rannte jeder zur Brandstelle und versuchte zu tun, was er jeweils für nützlich fand. Die Beschaffung und Bevorratung von Feuerlöschgeräten, der Bau von Feuerleiterhäusern und die Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr mit einer Verteilung von Aufgaben auf verschiedene Personen sowie die Durchführung von Löschübungen sind wichtige Stationen dieser Entwicklung.

Ende des 18. Jahrhunderts schloss sich Griesheim am Main einer innerhalb der Vogtei Höchst gegründeten Feuerspritzen-Gemeinschaft an. Gemeinsam wurde eine Feuerspritze im Wert von 520 Gulden beschafft, die bei Bränden in den beteiligten Gemeinden eingesetzt wurde. Im Jahr 1820 löste sich die Gemeinschaft wieder auf und das Vermögen wurde auf die beteiligten Gemeinden anteilig aufgeteilt. Die Pflichtfeuerwehr Griesheim bestand weiter und umfasste 1850 zwei Spritzenmeister und 16 Wehrmänner. Im Jahr 1891 vollzog sich der Übergang von der Pflichtfeuerwehr zur Freiwilligen Feuerwehr.

Die ersten Löschgeräte

Die ersten Löschgeräte bestanden aus Feuereimern, Haken, Leitern und Lederschläuchen. Feuereimer waren ursprünglich aus Stroh gefertigt, wasserdicht präpariert und rot angestrichen.

Im Lauf der Jahrhunderte bestanden Feuereimer aus Leder bzw. aus Segeltuch. Einige Exemplare dieser roten Feuereimer fand man bei Aufräumarbeiten im alten, 1847 erbauten Spritzenhaus, das 1982 einem Neubau weichen musste. Dabei wurden auch einige Lederschläuche gefunden, welche die Buchstaben G.G. – die Abkürzung für Gemeinde Griesheim – trugen.

Im Jahr 1687 sind die ersten Feuerhaken sowie Feuerleitern angefertigt worden. Die Kosten beliefen sich auf 5 Gulden und 3 Albus, einschließlich einer Maß Wein als „Winkuff“. Die Feuerleitern mussten wegen ihres großen Gewichts von mehreren Männern hochgehoben und mittels Stützen aufgestellt werden. Diese Leitern sind über 200 Jahre lang benutzt worden; sie lagerten noch im Jahr 1891 hier in Bereitschaft.

Feuerläufer und Orientierungsfeuer

Feuerläufer waren Eilboten, die beim Ausbruch eines Brandes schnell die benachbarten Orte darüber informierten. Damit die heraneilenden Hilfsmannschaften schnell das Feuer fanden, zündete man Pech an, das sich in Pfannen befand. Die Bürger Johannes Staubt, Kaspar Storck und Johann Jung waren 1693 als Feuerläufer eingesetzt.

Später waren Hausbesitzer verpflichtet, bei ausgebrochenen Bränden ihre zur Straße gelegenen Fenster zu beleuchten, wozu man sogenannte „Unschlittkerzen“ verwendete, welche die Hausbesitzer aus Rohfett (Talg) selbst herstellten. Zu dieser Zeit gab es keine durchgängige nächtliche Straßenbeleuchtung. Lediglich wenige, zentrale Straßen in größeren Städten waren durch Öllampen beleuchtet. Die Beleuchtung der Fenster schaffte so eine gewisse Helligkeit auf den Straßen, so dass die Hilfskräfte besser anrücken konnten.

Im Gebrauch waren auch „Bergmannslämpchen“ aus Zinn, deren Füllung aus Rüböl und einem Docht bestand. Die Lämpchen waren an einer Kette an der Zimmerdecke angebracht. Verwendet wurde auch der Kienspan; meistens aber genügte die offene Herdflamme.

Bau eines Feuerleiterhauses

Das erste Haus zum Aufbewahren von Feuerleitern ist um das Jahr 1680 errichtet worden. Es diente auch als Lagerort für Feuerhaken. Ein neues Leiterhaus entstand im Jahr 1824. Die Kosten betrugen 61 Gulden und 33 Kreuzer.

Am 17. Februar 1847 genehmigte die Herzogliche Landesregierung Wiesbaden den Neubau eines Spritzenhauses in der damaligen Schulstraße (heute: Jungmannstraße), wo sich heute das 1984 errichtete Feuerwehrgerätehaus befindet. Die Kosten beliefen sich auf 741 Gulden und 20 Kreuzer. Im Jahr 1903 erfolgten ein Umbau und eine Erweiterung. Dieses Spritzenhaus überlebte den 1. und 2. Weltkrieg und wurde bis 1982 von der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim genutzt. Um Platz für den beschlossenen Neubau zu schaffen, wurde es 1982 abgerissen.

GeraetehausAlt

Bildunterschrift: Das Gerätehaus kurz vor dem Abriss im Dezember 1982

 

Gründung einer „Feuerspritzen-Gemeinschaft“

Die Einführung von Feuerspritzen machte nur langsam Fortschritte, hauptsächlich wegen der hohen Anschaffungskosten von rund 600 Gulden. Aus diesem Grund entschlossen sich Ende des 18. Jahrhunderts die sieben Gemeinden der damaligen Vogtei Höchst, zusammen eine „Feuerspritzen-Gemeinschaft“ zu gründen. Für 520 Gulden wurde eine Feuerspritze beschafft und bei Bränden in den beteiligten Gemeinden eingesetzt. Die Gemeinschaft löste sich 1820 auf. Das Vermögen in Höhe von fast 2 000 Gulden wurde aufgeteilt. Die Gemeinde Griesheim erhielt 277 Gulden und 47 Kreuzer, die sie zum Ankauf einer eigenen Spritze verwendete.

Von der Pflicht- zur Freiwilligen Feuerwehr

Mitte des 19. Jahrhunderts bestand die Griesheimer Pflicht-Feuerwehr aus 2 Spritzenmeistern, die der Bürgermeister bestimmte, und aus den 16 jüngsten Ehemännern. Wenn ein Junggeselle heirate, konnte der älteste der 16 Feuerwehrmänner abtreten. An seine Stelle trat der Neuling. Dieser erhielt die rote Armbinde, bezahlte seinen Löscheimer und war damit ordentlicher Feuerwehrmann.

Da einige Männer der Löschmannschaft auswärts beschäftigt waren – auch heute kennen die Freiwilligen Feuerwehren dieses Problem -, konnte oft die Spritze nicht oder nicht schnell genug an den Brandherd gebracht werden. Dann setzte man Frauen zur Hilfe ein. War die Spritze endlich am Brandort angekommen, so kam es vor, dass sie nicht eingesetzt werden konnte, weil sich die Helfer nicht mit der Bedienung auskannten. Als kurz vor Ostern 1891 die Düngerfabrik Griesheim abbrannte und am Gründonnerstag das Anwesen des Adam Trautmann in der Hauptstraße (heute: Alt Griesheim) den Flammen zum Opfer fiel, traten die erwähnten Unzulänglichkeiten deutlich zu Tage.

1891: Die Freiwillige Feuerwehr Griesheim am Main entsteht

Der erste hauptamtliche Bürgermeister von Griesheim Josef Wolff, der zuvor bis 1888 Verwaltungssekretär in Weißenthum bei Neuwied war, ordnete nach seiner Amtsübernahme am 15.11.1888 die Gemeindeangelegenheiten grundlegend neu. Darunter waren erste Schritte zur Neuorganisation des Feuerlöschwesens, die später zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim führten. Spritzenmeister Leonhardt Schrodt und andere Männer der Löschmannschaft unterstützten ihn dabei tatkräftig.

Am 24. Mai 1891 waren die Vorarbeiten erledigt und 44 Bürger unserer Gemeinde gründeten die Freiwillige Feuerwehr Griesheim. Die meisten Gründer kamen aus den beiden Griesheimer Turnvereinen. Die Gründungsmitglieder sind auf dem Bild zu sehen, welches die zur ersten Übung im Herbst 1891 angetretenen Feuerwehrleute zeigt. Zur neuen Feuerwehr zählten alle in Griesheim Beschäftigten mit Ausnahme der Mitarbeiter der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron.

Die ersten eingekleideten Wehrleute traten schon bei dem am 12.08.1891 in Idstein / Taunus stattfindenden Verbandstag in Erscheinung. Dort wurde die Griesheimer Feuerwehr offiziell in den Feuerwehrverband des Regierungsbezirks Wiesbaden als neues Mitglied aufgenommen.

Später hat sich die Freiwillige Feuerwehr Griesheim dem Bezirk Rödelheim und bei Einteilung in Bezirksvereine der Organisation Höchst angeschlossen.

Aktuar Böhm, der Vorsitzende des Frankfurter Feuerwehrbezirks, bildete als erster die Mannschaften der hiesigen Feuerwehr fachgerecht aus.

Erste Kommandanten der Feuerwehr

Der erste Kommandant der Griesheimer Freiwilligen Feuerwehr war der bekannte Metzgermeister Christian Fischer. Obwohl erst 26 Jahre alt, galt er als ein forscher und strebsamer Mann. Bereits im Herbst 1891, also drei Monate nach Gründung, ließ er 12 Feuerwehrübungen in 90 Tagen durchführen. Zur ersten Übung traten 44 Mann an:

Ph. Ruh (Steigerführer), L. Schrodt (Spritzenführer), D. Schwarz (Adjudante), C. Westenberger (Schriftführer), P Pier (1. Spritzenmeister), K. Haldy (2. Spritzenmeister), E. Körber (Unterführer), L. Pracht (Unterführer), E. Brömer (Gemeinde-Brandmeister);

Ferner die Wehrmänner:

J. Becker, G. Schmitt, P. Ruh, G. Schneider, P. Huhn, L. Georg, Ph. Grünewald, K. Pfleiderer, W. Scheich, J. Port, G. Pier, V. Benz, G. Fuchs, A. Krieg, J. Fischer, H. Schmitt, J. Ackermann, F. Bernhardt, J. Federl, Chr. Schmittel, G. Ackermann, J. Noß, G. Mahler, A. Ackermann, G. Eisel, V. Schuster, J. Benz, M. Prasch, P. Ennemoser und G. Schnepf.

Christian Fischer amtierte bis zum 24. Mai 1906. Infolge von Differenzen mit dem Ortsbürgermeister trat er zurück. Sein Nachfolger wurde Philipp Ries, Inhaber eines renommierten Baugeschäfts in Griesheim. Ihm gelang es nach und nach, den Verlust an Wehrleuten auszugleichen, der infolge der Querelen entstanden war.

Aufbau und Ausrüstung der Feuerwehr

Innerhalb von 4 Jahren nach Gründung gelang es der Feuerwehr, die notwendigen Mittel zum Beschaffen weiterer Uniformen und Ausrüstungen aufzubringen. Die verhältnismäßig hohen Summen stammten zum größten Teil aus eigenen Veranstaltungen, Verlosungen und von Mitgliedern der Feuerwehr. Auch die Gemeinde Griesheim, die Nassauische Brandkasse sowie Griesheimer Firmen haben ihren Teil dazu beigetragen.

Im Jahr 1896 existierte ein Löschzug mit 50 Mann Stärke und folgenden Geräten:

1 Gerätewagen mit Hakenleitern, Sprungtuch und Zubehör

1 mechanische Leiter von 12 m Höhe

1 Saug- und Druckspritze

300 m Hanfschläuche mit nassauischen Anschlusskupplungen

1898 kam eine zweite Saug- und Druckspritze hinzu. Im gleichen Jahr ist in der Knabenschule (heute Boehleschule) ein Steigerturm zu Übungszwecken gebaut worden, der auch zum Trocknen der Hanfschläuche diente.

Um 1899 erbrachte die Gemeinde Griesheim eine große soziale Tat: Alle Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr waren in Ausübung ihres Dienstes gegen Unfall und Tod versichert.

Gründung einer Jugendfeuerwehr

Der Griesheimer Feuerwehr war die Bedeutung der Jugend für den fortwährenden Bestand der Feuerwehr schon in den Jahren der Gründung bewusst. Daher wurde bereits um 1895 eine Jugendfeuerwehr begründet. Die zuvor eher vagen Hinweise auf das Bestehen einer Art Jugendfeuerwehr innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim um das Jahr 1907 konnten durch das Erschließen neuer Quellen gesichert und auf den Zeitpunkt um 1902 weiter in die Vergangenheit datiert werden. Damit gehört diese Jugendfeuer zu den ältesten in Deutschland, wobei die 1882 in Oevenum auf der Insel Föhr gegründete Jugendfeuerwehr als die älteste in Deutschland gilt.

In seiner Ausgabe vom Samstag, 5. Juli 1902, berichtet der Griesheimer Anzeiger über das 25 jährige Stiftungsfest des Kriegervereins „Deutschland“ in Verbindung mit dem 7. Verbandsfeste des Kreis-Kriegerverbandes des Kreises Höchst am Main, welches in Griesheim statt fand. Den Abschluss bildete ein Festzug. Wörtlich heißt es: „Die hiesigen Vereine scheuten aber auch keine Kosten etwas zu zeigen und zu bieten und mit allgemeiner Verwunderung schaute man auf die von der hiesigen freiw. Feuerwehr gestellte Jugendwehr, Knaben in Feuerwehr-Uniform. Sie sahen auch zu drollig aus, insbesondere die kleinen noch nicht 6 Jahre alten „Feuerwehrmänner“, wie sie daher marschierten, stolz in ihrer Uniform, mutig in ihrem Auftreten und wehe dem Feuer, das an Sonntag ausgebrochen wäre, es hätte sicher nicht lange gewährt, wenn die Jugendwehr in Aktion trat.“

Das Kassenbuch des Geschäftsjahres vom 1. April 1902 bis 31. März 1903 verzeichnet mit Datum 24. Juni eine Ausgabe in Höhe von 478,25 Mark mit dem Buchungstext Jugendwehruniformierung.

Auf Seite 67 des Protokollbuchs wird berichtet, dass die Gemeinde Griesheim am Main aus Anlass des Festes des Kriegervereins „Deutschland“ Mittel für die Uniformen der FF Griesheim gegeben habe. Wörtlich: „Nun bildete die Wehr zu diesem Fest und auch zu besonderen festlichen Anlässen zur Freude der Jugend eine Jugendwehr.“

Fortsetzung auf Seite 69: „Die Jugendfeuerwehr bestand aus über 50 Schulknaben, welche aus Mitteln der Feuerwehr genauso eingekleidet waren wie die Wehrleute. Sie trugen schöne Tuchröcke, Lederhelme mit Beschlag, Gurte mit Leine und Beil und hatten eine Fahne mit Inschrift. Dafür wurde an Kosten für Müller Offenbach gegeben Mark 594,03. Schneidermeister J. Gann erhielt per Uniformrock Mark 5.50.“

Dies deutet darauf hin, dass es sich bei dieser Jugendfeuerwehr nicht um eine Jugendfeuerwehr im heutigen Sinn handelte, welche regelmäßig Löschübungen durchführt, theoretische Grundlagen in Unterrichten lernt sowie allgemeine Jugendarbeit leistet.

Auf den Seiten 125 bis 126 des Protokollbuches wird über die Hauptversammlung am 13. April 1902 berichtet. Dort heißt es: „Das Kommando stellte den Antrag, dass sich die Wehr gleich anderen Vereinen mit einer Gruppe beteiligen und die Jugend der Wehr eine Jugendfeuerwehr im Festzug darstellen soll. Über diesen entspann sich eine lange Aussprache, jedoch sind nur wenige Mitglieder dem Antrag abgeneigt. Bei der Abstimmung wird der Antrag fast einstimmig angenommen und noch folgendes bestimmt:

Die Wehr stellt eine Musikkapelle von 14 Mann, dieselben erhält aus der Vereinskasse Mark 70. Aus den Jungen der Mitglieder wird eine Wehr: (Jugendwehr 6-12 Jahr) mit 40 – 45 Mitgliedern gebildet und werden Jungen im Alter von 6-12 Jahre zugelassen. Die Uniform wird durch die Wehr beschafft, soll als Eigen erworben werden können und soll der Preis zur Uniform etwa Mark 7 betragen, die übrigen Uniformen kauft die Wehr, und werde zur Benutzung bei einer etwaigen Fahnenweihe des Corps aufgehoben.“

Die Protokollbücher enthalten immer wieder Punkte, die sich mit der Jugendfeuerwehr befassen. Dies sind Hinweise darauf, dass die Jugendfeuerwehr damals sehr aktiv war. In der Abrechnung der Jungendfeuerwehr ist die Position „Fahne mit Scherpen“ im Wert von Mark 14,60 aufgeführt. Diese Fahne befindet sich noch heute im Besitz der Wehr. Zahlreiche Photos, insbesondere Gruppenbilder, zeigen die häufige Verwendung dieser Fahne zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Löschbetrieb

Bei Bränden war die Wasserbeschaffung so geregelt, dass der Brandherd mit 2 Schlauchlinien von zwei Seiten angegriffen werden konnte. Zu diesem Zweck sind Straßenbrunnen sowie ausgemauerte Saugschächte angelegt worden.

Aus Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren wurden als Pumpmannschaften zwei Züge Pflichtfeuerwehr gebildet und den Führern der Freiwilligen Feuerwehr unterstellt. Damit war ein gutes Funktionieren der Feuerwehr gegeben.

Übergang der Löscheinrichtungen an die Freiwillige Feuerwehr Griesheim

Der Griesheimer Gemeindevorstand übergab am 6. Oktober 1903 den gesamten Löschbetrieb einschließlich aller vorhandenen Einrichtungen an die Freiwillige Feuerwehr, und zwar

das umgebaute und erweiterte Spritzenhaus

2 Schlauchwagen

mehrere hundert Meter Hanfschläuche sowie je

38 Unterflur- und Oberflurhydranten.

Zu diesem Zeitpunkt war mit der „Storz-Kupplung“ endlich eine Einheitskupplung in Deutschland eingeführt worden.

Nach dem Umbau des Steigerturms und dem Anbau zur Unterbringung einer zweiten mechanischen Leiter ist eine große Balanceleiter beschafft worden. Jetzt war es der Feuerwehr möglich, zwei vollständige Löschzüge aufzustellen, die im Notfall auch getrennt arbeiten konnten. Das war, bei dem immer größeren Umfang der Gemeinde und den vielen Handwerks- und Fabrikbetrieben, eine sehr sinnvolle Maßnahme.

Einsätze und Tätigkeiten der Freiwilligen Feuerwehr

Bereits in den Anfangsjahren wurde die Feuerwehr nicht nur zur Schadensbekämpfung bei Bränden und Explosionen eingesetzt, sondern häufig auch für andere Hilfeleistungen herangezogen. Als Main und Nidda noch nicht kanalisiert waren, gab es oft Hochwasser mit Überflutungen. Noch um 1880 überflutete der Main die Hauptstraße (Alt Griesheim) und anschließende Gassen. Schulkinder mussten dann mittels Nachen zur Schule gebracht werden. Das gleiche ereignete sich an der Nidda. Der Griesheimer Hinterwald war oft bis in die Gegend der Waldschule (Eichendorffschule) überflutet. Die Wehr musste Stege bauen und Wasser aus den Kellern pumpen.

Diese „Mädchen für alles“ Tätigkeiten sind den Freiwilligen Feuerwehren bis heute erhalten geblieben. Jede Stadt oder Gemeinde ist froh, eine Feuerwehr zu haben, die dann tätig wird, wenn sonst niemand zuständig ist. In der Zeit um 1900 gehörte auch die Suche nach entlaufenen oder verirrten Kindern zur Tätigkeit der Feuerwehr. Abgesucht wurden die Flussufer, Wiesen etc. und zwar bei jeder Witterung, oft auch in der Dunkelheit.

Besondere Einsätze bei größeren Bränden und Explosionen zwischen 1891 und 1917

„Eine Woche vor Ostern 1891 brannte die Düngerfabrik von Dietsch, Kellner & Co. an der Feldstraße bis zur Hälfte nieder und am Gründonnerstag die Scheune des Adam Trautmann in der Hauptstraße (Alt Griesheim)

Am 12. Oktober 1895 brannte das Anwesen des August Krieg in der Schulstraße, wobei die Scheune ein Raub der Flammen wurde. Die Freiwillige Feuerwehr und die Fabriksfeuerwehr der Chemische Fabrik Griesheim Elektron konnten nur mit größter Mühe ein Übergreifen des Feuers auf Nachbargebäude verhindern.

Am 9. April 1896 brannte die Düngerfabrik von Dietsch, Kellner & Co. zum zweiten Male. Das Schadenfeuer in der erweiterten neuen Fabrik war bedeutend größer wie 1891 und zerstörte fast die ganze Fabrik. Auch die Büroräume wurden zerstört, so dass man das Büro in die Kleinkinderschule (Kindereinrichtung für Kinder von 1 bis 4 Jahre) verlegte. Der Brandschaden betrug circa 80 000 Mark; die Fabrik wurde wieder aufgebaut.

Der 25. April 1901 ist als der Tag der furchtbaren Brand- und Explosionskatastrophe in der Chemischen Fabrik Griesheim – Elektron in die Geschichte eingegangen. Es war das erste Unglück dieser Art und auch überregionale Zeitungen sowie ausländische Publikationen berichten darüber, wenn auch zum Teil in äußerst übertriebener Weise.

Beim Erfassen der Schilderung des Unglücks waren erst 25 Jahre vergangen und viele Augenzeugen standen noch zur Verfügung.

In Werk Anilinfabrik (Anilin oder Aminobenzol ist eine wichtige Grundchemikalie für zahlreiche Synthesen) wurde in einem Holzfachwerkbau Pikrinsäure für die Pulverfabrik Hanau hergestellt. Diese Pikrinsäure war ein gelbes, pulverisiertes Produkt, welches aus einer Lauge auskristallisiert und abzentrifugiert wurde; dann in Trockenkammern kam und nach dem Trocknen in Kisten verpackt und verschickt wurde. Pikrinsäure (Trinitrophenol) ist explosionsgefährlich. Sie war auch schon in den isoliert stehenden Kammern zur Entzündung gekommen und sehr rasch weggebrannt. Getrocknet und gepresst wirkte sie wie Pulver. Dass sie auch während des Herstellungsprozesses explodieren konnte, war bis dahin noch unbekannt.

Um 15.30 Uhr des besagten 25. April 1901 ertönten die Feueralarmsignale, weil in dem betreffenden Fabrikgebäude Feuer entstanden war. In gut eingeübter und sachgemäßer Weise hatten die Arbeiter des Werkes Anilinfabrik sofort die nötigen Sicherungen der angrenzenden Betriebe vorgenommen und die Fabriksfeuerwehr, welche aus Handwerkern und Arbeitern des Werkes „Alte Fabrik“ bestand, hatte den Brandherd angegriffen.

Der Fabriksfeuerwehr standen eine Dampfspritze, eine Abprotzspritze, viele Hydranten der Werksmaschinenpumpen und mehr als ausreichend Schlauchmaterial zur Verfügung. Die Freiwillige Feuerwehr Griesheim traf nach kurzer Zeit mit ihrer ersten Saug- und Druckspritze und 18 Mann ein, um vom Main aus ihre Linien zu legen und den Brand zu bekämpfen. Sie wurde nun aber vom Leiter des Löschwesens Oberingenieur Tiersch zum Anschluss an die Hydranten direkt am Brandherde neben die Handspritzenabteilung der Fabrik befohlen. Mit rasender Geschwindigkeit hatte das Feuer das ganze Gebäude erfasst und viele Schlauchlinien mussten die angrenzenden Gebäude gegen die extreme Hitze schützen. Auch waren sehr viele Leute unter Führung der Betriebsbeamten damit beschäftigt, weitere Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Die Freiwillige Feuerwehr sollte nun der abgearbeiteten Handspritzenabteilung, die unter der extremen Hitze besonders zu leiden hatte, Unterstützung bringen und Wasser von weiter entfernten Hydranten herbeischaffen.

Rasch zog diese unter Befehl der Führer Leonh. Schrodt und Rudolf Winterer ihre Linien und der Strahlrohrführer Philipp Ries bezog seinen Stand am Brande. Man schickte zur Spritze, die Verbindungsstücke von Nassauer Gewinde auf Metzsche Gewinde zu holen, um anschließen zu können. Diese Verbindungsstücke lagen aber in der zweiten, der Zubringerspritze, welche noch nicht ausgerückt war. Kurz entschlossen bekam die Mannschaft nun den Befehl, die gelegten Linien liegen zu lassen und frische Linien vom Main aus zu legen, damit keine weitere Zeit verloren geht. Kommandant Fischer sprang aufs Fahrrad und eilte davon, um im Gerätehaus die Verbindungsstücke und weitere Löschhilfe zu holen.

Die fehlenden Verbindungsstücke und dass die Mannschaft für den Augenblick in südliche Richtung vom Brandherd kam und etwas von Gebäuden gedeckt wurde, war ihre Rettung. Das Dach des brennenden Gebäudes stürzte ein und eine riesige Flamme fuhr mit starkem Funkenflug empor. Ein folgendes sekundenlanges eigenartiges Rollen ließ alle entsetzt davon springen. Ein Sausen, ein furchtbarer Schlag: Die erste Explosion!

Während die Freiwillige Feuerwehr südlich weiter flüchtend sich zu retten suchte, flüchtete die Fabriksfeuerwehr in nördliche Richtung in einen etwa 30 Meter entfernten mächtigen Neubau. Mit seiner starken Giebelmauer, die in Richtung des Brandes war, bot er Schutz vor den herunterfallenden Sprengstücken und Trümmern. Etwa 40 Sekunden nach der ersten Explosion erfolgte eine zweite, vielfach stärkere, verheerende Explosion. Dabei wurde das ganze brennende Gebäude samt Fundament und Boden aus mehreren Metern Tiefe ausgehoben und in die Luft geworfen. Die Zeitzeugen überliefern, „was nun folgte, war so grauenhaft, dass es nicht zu beschreiben ist“. Es wurde dunkel wie in der Nacht. Gebäude stürzten ein, dazwischen fielen in die Luft geschleuderte Gebäudeteile wieder auf den Boden sowie funkende Sprengstücke. Dächer rutschten in die Straße und überall sprangen und wälzten sich Menschen, die versuchten ihr Leben zu retten. Auch der mächtige Neubau, dessen Gerüste noch nicht fertig verbunden waren und die sich vermutlich schon bei der ersten Explosion verschoben hatten, stürzte nun in sich zusammen und begrub unter seinem Trümmerhaufen die ganze Feuerwehrabteilung und mit Johann Mannebach auch ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Im ganzen gab es 26 Tote und circa 200 Verletzte. Von den 18 Mann der Freiwilligen Feuerwehr wurde 1 Mann getötet und 6 mehr oder weniger verletzt, darunter der spätere Kommandant Philipp Ries, der als Strahlrohrführer eingesetzt war. Die von der Explosion verdrängte Luft drängte zurück und warf auch von weiter entfernten Gebäuden die Dächer ab, so dass auch hier viele Menschen zu Schaden kamen. Der Sachschaden wurde auf 1.5 Millionen Mark veranschlagt.

Nach den Explosionen entstanden durch die fort geschleuderten glühenden Trümmerteile in fast allen angrenzenden Fabriken Brände, sogar im über den Main gelegenen Schwanheim. Nun setzte die nachbarschaftliche Hilfe durch die Nachbargemeinden ein. Sanitätskolonnen und Ärzte aus der ganzen Umgebung bemühten sich um die Verletzten. Viele Feuerwehren und einige Kompanien des 81. Regiments aus der Gutleutkaserne kamen zur Hilfeleistung. Nach 15 bis 20 stündiger Arbeit, welche öfters durch kleine nachfolgende Explosionen gestört wurde, waren die Brände niedergeschlagen. Die letzte Feuerwehr rückte aber erst am vierten Tage ab. Nun begannen die größeren Aufräumarbeiten durch Arbeiterkolonnen.

Die meisten Toten wurden auf dem Griesheimer Friedhof in einem gemeinsamen Grabe beigesetzt. Die Trauerfeierlichkeiten waren erhebend und es beteiligten sich Tausende. „Vertreten waren die höchsten Beamten der Regierung sowohl wie der letzte Arbeiter“, so die wörtliche Überlieferung. Viele Abordnungen, Vereine und selbst eine Abteilung der Frankfurter Garnison mit der Musikkapelle des 81. Regiments waren vertreten.

Zum Gedächtnis der Toten hat die Chemische Fabrik am Friedhof das schönste Portal erreichten lassen, in dessen Rückwand zwei eherne Tafeln mit den Namen der Toten eingelassen sind. In großzügiger Weise sorgte die Chemische Fabrik weiter für die Hinterbliebenen und Geschädigten. Im Jahr 1989 wurde das Portal mit Unterstützung der Hoechst AG restauriert.

Selbst das Ausland nahm Interesse an dem Unglück, das Griesheim getroffen hatte. Die Leitung der französischen Feuerwehren bat in einem Schreiben an die Freiwillige Feuerwehr um Auskunft. Herr Lehrer Lebeau hat die beiden Schreiben übersetzt.

Das erste lautet:

Nationale Vereinigung der französischen Feuerwehrmannschaften autorisiert durch Ministerialbeschluss vom 26. Januar 1901.

An den Herrn Kommandanten der Feuerwehrmannschaften

zu Griesheim bei Frankfurt a.M. (Deutschland)

Mein lieber Kamerad!

Ich habe die Ehre, Sie im Namen der französischen Feuerwehrmannschaften um den Bericht zu bitten, welcher die furchtbare Feuersbrunst betrifft, die Sie soeben bekämpft haben, und welche so viele Opfer gefordert hat, die hauptsächlichsten Teile in dem französischen Feuerwehrblatt erscheinen zu lassen.

Es wird lehrreich und interessant für alle sein, den Bericht der großen Feuersbrünste, je nachdem sie sich auswirken werden, zu lesen.

Ich hoffe, mein guter Kamerad, dass Sie mir diesen Beweis Ihrer guten Kameradschaft nicht abschlagen werden.

In der Erwartung Ihres Schreibens wollen Sie meine aufrichtigen Grüße entgegennehmen.

Der Präsident

Chef des Feuerwehrbataillons zu Nantes

gez.: E. G o n z é

Der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim erstattet die Fabriksleitung in einem Schreiben mit folgendem Text ihren Dank:

Chemische Fabrik Griesheim-Elektron

Frankfurt am Main

Wertbrief Frankfurt a.M., 22. Mai 1901

An den Kommandanten der Griesheimer Feuerwehr

Herrn Fischer

Griesheim a.M.

Wir gestatten uns mit Gegenwärtigem die Bitte, der dortigen Feuerwehr unseren herzlichsten Dank übermitteln zu wollen für die großen Dienste, welche uns dieselbe gelegentlich der furchtbaren über unser Werk Griesheim am 25. v. M. hereingebrochenen Katastrophe geleistet hat.

Wir schätzen diese uns von Seiten der dortigen Feuerwehr gewordene tatkräftige Hilfe sehr hoch und erkennen voll und ganz an, dass sei wesentlich zur Beschränkung des Schadens auf unserem Werk Griesheim beigetragen hat.

Als bescheidenen Ausdruck unserer Dankbarkeit, gestatten wir uns, für den Unterstützungsfond der Griesheimer Feuerwehr den Betrag von Mark 1 000 in bar hier beizuschießen und bitten, denselben in diesem Sinne verwenden zu wollen.

Gefl. Bestätigung der Ordnung halber sehen wir gerne entgegen und zeichnen mit bestem Dank für Mühewaltung.

Mark 1 000 in bar Hochachtungsvoll

Plieninger

Das Werk „Alte Fabrik“ der Chemische Fabrik Griesheim-Elektron hatte am 24. Juni 1905 ein großes Schadenfeuer. Kurz vor 13 Uhr stand plötzlich das 70 Meter lange Dach der Salpeterlagerhalle in Flammen, in der einige Schiffsladungen mit vielen tausend Zentnern Salpeter lagerten. Fabriksfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr trafen zeitgleich nach einigen Minuten ein und warfen mit vielen Schlauchlinien gewaltige Wassermengen in den Brand, um ein Übergreifen des Feuers auf die anderen Fabrikgebäude zu verhindern. Ganze Bäche gelösten Salpeters (Kaliumnitrat) liefen auf die Straßen. Die Löscharbeit der beiden Feuerwehren wurde mit Sachkenntnis und so intensiv betrieben, dass, ehe nur eine Dachsparren durchbrennen konnte, der Brand schon niedergeschlagen war.

Einen eigenartigen Anblick bot nach dem Brand das lange Gebäude mit seinem fast unbeschädigten, aber kohlschwarzem Gebälk ohne Ziegel, weil diese durch den Innenangriff vom Wasserstrahl abgedeckt worden waren. Da die Salpeterlauge teilweise aufgefangen worden war, verringerte sich der Sachschaden auf etwa 55 000 Mark.

Nur rund einen Monat später, am 23. Juli 1905, wurde die Wachstuchfabrik durch ein großes Schadenfeuer heimgesucht. Das Feuer war in der neugebauten Webereiabteilung, welche aus drei zweistöckigen Gebäuden von je 50 und 25 Meter Länge bestand und eine Anzahl der neuesten und wertvollsten Webstühle enthielt, ausgebrochen. Das Gebäude brannte bis auf die Mauern nieder. Mit der wertvollen Einrichtung wurden große Werte an Webgarnen, Halbfertigprodukte, sowie 8 Waggons neu eingetroffener Webgarne vom Feuer vernichtet. Der Schaden ist mit etwa 220 000 Mark anzunehmen. Auch hier waren beide Griesheimer Feuerwehren viele Stunden in voller Tätigkeit, das Feuer niederzuschlagen und die angrenzenden Betriebsräume zu erhalten. Beim Absuchen der Nachbargebäude und Flachdächer nach Flugfeuer stürzten der Kommandant und der Hornist durch ein verdecktes Glasdach und verletzten sich.

Durch die Explosion eines Apparates in der Chlorbenzolfabrikation der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron brach am 14. Juni 1907 Feuer aus. Von der Polizeiwache kam die Meldung: „Hilfeleistung erwünsch!“, worauf die Freiwillige Feuerwehr sofort alarmiert wurde und ausrückte. Durch stille Abmachung war angeordnet worden, dass bei Bränden auf dem Fabrikgelände die Einwohnerschaft nicht unnötig durch Alarm der Freiwilligen Feuerwehr in Aufregung versetzt werden sollte. Die neu organisierte Fabriksfeuerwehr war stark genug, und nur bei dringenden Fällen sollte die Freiwillige Feuerwehr angerufen werden. Nun lag diese Meldung vor.

Im Jahr zuvor waren wegen Differenzen 2/5 der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr ausgetreten. Die Feuerwehr war wieder auf 48 Mann angewachsen und trat mit 40 Mann der Fabrikfeuerwehr zu Hilfe. Wegen der Gefährlichkeit der Betriebsprodukte hatte der Fabrikdirektor Lepsius mit Unterstützung der betreffenden Betriebsleiter die Brandleitung selbst übernommen. Fünf Löschabteilungen mit 15 Schlauchlinien traten in Tätigkeit, wobei sich besonders die Freiwillige Feuerwehr mit ihren zwei mechanischen Leitern nutzbar machen konnte. In verhältnismäßig kurzer Zeit war die Gefahr beseitigt. Die Abteilungen rückten ab und waren stolz darauf, eine unheimliche Sache gemeistert zu haben. Auf den Dank der Fabrikleitung folgte noch ein ansehnliches Geldgeschenk.

In den folgenden 10 Jahren blieb die Gemeinde Griesheim von großen Brandfällen verschont, obgleich Brände darunter sind, bei denen Menschenleben zu beklagen waren.

Doch dann kam wieder so ein Tag voll Schrecken wie im April 1901, der 20. November 1917. Durch die Umstellung für den Kriegsbedarf wurde die Chemische Fabrik wieder eine gefährliche Nachbarschaft. Besonders dadurch, dass durch den Mangel geeigneter und guter Rohmaterialien alle Arten Versuche mit schlechtem Material und wohl auch mit minderwertigen Hilfskräften ausgeführt werden musste. Es war ja Krieg und Deutschland in höchster Not. Es musste alles versucht werden, Hilfsmittel zu schaffen und durchzukommen. Am genannten Tage, abends gegen 22 Uhr, entstand in einem Betriebsraum der Anilinfabrik Feuer. Der Betriebsleiter und einige Arbeiter versuchten, wohlbewusst der Gefahr, in der sie schwebten, Schlimmes zu verhüten. Nach kurzer Zeit sah man eine blendend weiße Stichflamme, welche dann Minuten anhielt. Es folgte eine furchtbare Explosion, welche die Leute erschlug und in ihrer Wirkung so furchtbar war wie die Explosion von 1901. Die Sprengstücke entzündeten diesmal nicht wieder so viele Nachbarwerke, doch erreichten einige den in 500 Meter Entfernung liegenden Bauhof der Fabrik mit seinen großen Vorräten an Holz, Fässern, Kisten usw. und entfesselten hier einen großen Brand. Bei dieser Explosion wurden vier Personen getötet, die man in Ehren zur letzten Ruhe bettete.

Während die mit neuzeitlichen Geräten ausgerückter Fabrik-Berufsfeuerwehr unter Führung ihres Brandmeisters Monden zum Explosionsherd eilte, um dort den Kampf um die Führung zu übernehmen, rückte die Freiwillige Feuerwehr an den Bauhof und griff dort an. Mit Hilfe anderer Feuerwehren war nach einigen Stunden die Sache gemeistert. Der durch die Explosion verursachte Sachschaden betrug eine Million Mark. Einige Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr erhielten die Medaille für Kriegsverdienste zugewiesen.“

Anmerkung des Verfassers: Der Autor der Schrift „Geschichte des Feuerlöschwesens in Griesheim“ Johannes Ickstadt weist darauf hin, dass die Berichte über Brände und Explosionen in der Zeit von 1891 und 1917 wörtlich der 152 seitigen Festschrift zum 35 jährigen Bestehen der Feuerwehr Griesheim im Jahr 1926 entnommen sind.

ExplosionChem1917

Im Jahr 1921 gehörten der Freiwilligen Feuerwehr 90 Mitglieder an.

Vom 10. bis 12. Juli 1926 feierte die Feuerwehr Griesheim in großem Rahmen ihr 35-jähriges Bestehen mit einem Volksfest. Aus diesem Anlass wurde auch eine 152 seitige Festschrift veröffentlich, welche eine sehr wichtige Quelle für die Geschichte des Feuerlöschwesens in Griesheim ist. Die Feier wurde verbunden mit der Bannerweihe und dem 27. Nassauischen Feuerwehrverbandstag.

Aus dem Festprogramm:

10. Juli: Sitzungen der Kreisbrandmeister und des Verbandsausschusses im Kasinosaal der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron, abends Fackelzug zum Festplatz, Fahnenweihe etc.

11. Juli: Weckruf, katholische und evangelische Gottesdienste, Hauptversammlung in der Festhalle, 14 Uhr Festzug, Ausstellung von Feuerlöschgeräten und Vorführungen. Gesangliche, musikalische, sportliche und turnerische Vorführungen im Festzelt

12. Juli: Besichtigung Griesheimer Werke, Frühschoppen im Festzelt, Festzug durch Ortsstraßen und Volksfest auf dem Festplatz.

Im Jahr 1926 hatte die Freiwillige Feuerwehr Griesheim 85 Mitglieder.

Ein wesentlicher Abschnitt im Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim ging mit der Eingemeindung der Gemeinde Griesheim am Main nach Frankfurt am Main im Jahr 1928 zu Ende. Danach fungierte die Feuerwehr von 1928 bis 1933 als Löschzug 19 und ab 1934 als Löschzug 7 Griesheim.

Leider wird ab dieser Zeit die Quellenlage sehr dürftig. Die Jahre der Weltwirtschaftskrise und die komplette Zeit der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft haben, obwohl sie sicher viele interessante Ereignisse und Erkenntnisse beinhalten, nur wenig Widerhall in Unterlagen gefunden. Dies mag auch daran liegen, dass die 50 Jahr Feier im Jahr 1941 wegen des 2. Weltkrieges ausgefallen war und die 60 Jahr Feier im Jahr 1951, die im Verein als ein Nachholen der 50 Jahr Feier angesehen wurde, keine Festschrift hervor brachte, welche üblicherweise das Geschehen der Jahr 1928 bis 1951 zusammen getragen und in Schriftform gebracht hätte. Selbstverständlich hat die Eingemeindung auch dazu beigetragen, dass bei der Griesheimer Feuerwehr nicht mehr so viele Akten entstanden sind als zu den Zeiten der Selbständigkeit Griesheims.

Die bereits erwähnte Weltwirtschaftskrise hatte Deutschland erfasst und dazu geführt, dass im Jahr 1931 das 40 jährige Bestehen nur in bescheidenem Rahmen, und zwar mit einer kleinen Feier auf dem Schulhof der Boehle-Schule begangen wurde. Die gefallenen und verstorbenen Kameraden wurden geehrt und die Kameraden wurden für 40-, 25-, 20-, 15- und 10-jährige Dienstzeit ausgezeichnet. Im damaligen Vereinslokal „Nassauer Hof“ fand ein gemütliches Beisammensein statt.

Den ersten kriegsbedingten Einsatz hatte die Griesheimer Feuerwehr am 5. Juni 1941 als in der Alte Falterstraße und Hartmannsweiler Straße Verschüttete nach Fliegerangriffen geborgen wurden.

Es folgen viele Einsätze nach Luftangriffen in Griesheim und umliegenden Stadtteilen. Die Griesheimer Feuerwehr war oft im gesamten Stadtgebiet eingesetzt, wenn Frankfurt am Main Ziel von Luftangriffen war.

Unter den Einsätzen während des Krieges sind die Löscharbeiten nach dem Großangriff vom 18. März 1944 mit weit über 1 000 Flugzeugen sowie dem noch folgenschwereren Angriff am Mittwoch, 22. März 1944, mit 1 000 Flugzeugen besonders zu erwähnen. Dieser Angriff, der gegen 21 Uhr begann, wird als das Ende der Frankfurter Altstadt angesehen, über deren Wiederaufbau erst 70 Jahre später, in unserer Zeit, entschieden wurde. Der Angriff traf die Frankfurter wegen fehlender Warnung unvorbereitet. Etwa 700 Luftminen, rund 3000 schwere Sprengbomben und schätzungsweise eine Million Brandbomben gingen auf die Stadt nieder. In der Frankfurter Innenstadt entwickelte sich ein Feuersturm. 1001 Menschen verloren ihr Leben. Dieser Angriff war auch der schwerste auf den Stadtteil Griesheim. In der Waldschulstraße wurden 19 Tote geborgen. Die Einsatzdauer wird bis zum 2. April 1944 angegeben.

Am 17. Dezember 1944 konnte nach dem Absturz eines deutschen Flugzeuges in der Siedlung Lindenwald Erste Hilfe geleistet werden.

Mit dem Beginn des Jahre 1945 war der Benzinmangel so groß, dass die Freiwillige Feuerwehr nur noch innerhalb Griesheims eingesetzt werden konnte.

Leider ist über die Zeit vom Kriegsende bis zum 60-jährigen Jubiläum fast nichts bekannt. Im Jahr 1945 übernahm Ludwig Eichhorn von August Vosgerau das Amt des Wehrführers.

Das 60 jährige Jubiläum im Jahr 1951 war das erste große Fest der Freiwilligen Feuerwehr nach den Feiern des 35 jährigen Bestehens im Jahr 1926. Viele empfanden diese Feier, die in den Gründungsjahren der neuen Bundesrepublik Deutschland und ganz am Beginn der Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs lag, als eine verspätete 50 Jahr Feier. Dies mag den recht großen Rahmen einer 60 Jahr Feier erklären. Den Auftakt bildete am 24. Juni 1951 die Enthüllung einer Ehrentafel für verstorbene und gefallene Feuerwehrleute. Eine Feier auf dem Griesheimer Friedhof fand statt. Die Jugendfeuerwehr zeige Vorführungen am Griesheimer Mainufer, wo auch das Festzelt stand. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten war vom 30. Juni bis zum 2. Juli 1951. Es gab eine akademische Feier, einen Festkommerz, eine Angriffsübung am Brandobjekt Fabriciusstraße 72, Festzüge am 1. und 2. Juli, ein Volksfest, einen Heimatabend und als Abschluss ein großes Feuerwerk.

Schauuebung1949AlteFalterstrasse

Schauübung 1949

 

Das 75 jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim wurde im Jahr 1966 am 11. Juni in der Neuen Turnhalle gefeiert, ohne dass es dazu weitere öffentliche Veranstaltungen gab.

Im Jahr 1971 wird Karl Fuchs zum Wehrführer gewählt. In seine Amtszeit fiel die Planung eines neuen Gerätehauses, dessen Einweihung er leider nicht mehr erlebte.

Weit über Frankfurt am Main hinaus machte der Brand eines Hochhauses im Rohbau am Platz der Republik Schlagzeilen. Im nach dem persischen Bauherren Ali Selmi oft auch Selmi-Hochhaus genannten Gebäude waren die Holzverschalungen im 40. und 41. Stockwerk am 22. August 1973 in Brand geraten. Die sich bei der Brandbekämpfung zeigenden Unzulänglichkeiten führten zu wichtigen Impulsen für den modernen Brandschutz in Hochbauten. Die Schäden des Brandes, der vermutlich von einem defekten Schweißgerät ausgelöst worden war, standen einer Fertigstellung des Hochhauses nicht im Wege. Im Jahr 1976 kaufte die heutige DZ Bank das Gebäude. Die älteren Kameraden der FF Griesheim können noch heute lebhaft von diesem spektakulären Einsatz berichten.

Bei einem Großbrand einer Lagerhalle in der Elektronstraße am 4. Mai 1975 leistete die Freiwillige Feuerwehr Griesheim mit 13 Löschkräften 68 Einsatzstunden. Leider kam bei diesem Einsatz ein Kamerad der Freiwilligen Feuerwehr Unterliederbach ums Leben, als eine Mauer einstürzte.

Das 90 jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim wurde im Jahr 1981 im Dezember im Josefshaus (Gemeindehaus der kath. Gemeinde Mariä Himmelfahrt, damals in der Hartmannsweiler Straße), ohne dass es dazu weitere öffentliche Veranstaltungen gab.

Die Änderungen im Feuerwehrwesen wie mehr Theoretischer Unterricht, größere Fahrzeuge, mehr Platzbedarf für Ausrüstung und Technik ließen die Unzulänglichkeiten des alten, 1847 erbauten und 1903 umgebauten und erweiterten Gerätehauses mehr und mehr zu Tage treten.

Der damalige Wehrführer Karl Fuchs erkannte, dass für eine Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim ein Neubau dringend erforderlich war. Dann wäre auch die Möglichkeit für die wichtige Jugendarbeit und die Gründung einer Jugendfeuerwehr gegeben. In unzähligen Sitzungen, Treffen und Schreiben schilderte Karl Fuchs gegenüber der Stadt Frankfurt am Main und deren Gremien die unhaltbare Situation. Der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Walter Wallmann schaute sich anlässlich eines Stadtteilbesuchs das alte, baufällige Gerätehaus an und war von der Notwendigkeit eines Neubaues überzeugt. Der erste wesentliche Schritt auf dem Weg zum Neubau war der Planungsbeschluss des Magistrats (Nr. 1292) vom 23. Mai 1980. Nach Fertigstellung der Planung fällte die Stadtverordnetenversammlung am 17.12.1981 den Bau- und Finanzierungsbeschluss, dem der Magistrat am 4.1.1982 zustimmte.

Einige Daten zum Gerätehaus:

Massiver Mauerwerksbau mit zweischaligen Außenwänden aus Kalksandstein-Sichtmauerwerk. Satteldach mit Eindeckung aus dunkelgrauen glatten Betondachsteinen. Fenster und Türen in Metallkonstruktion.

Fahrzeughalle als Stahlbeton-Rahmenkonstruktion mit Wandausfachung aus Kalksandstein-Sichtmauerwerk.

Flache, zum Teil geneigte Dachdecke aus Gasbetonplatten. Insgesamt vier nach oben öffnende Sektionstore aus Metallrahmenkonstruktion mit Plexiglas.

Grundfläche Feuerwehrgerätehaus 85 qm

Traufhöhe auf der Straßenseite 6.35 m

Grundfläche Fahrzeughalle 180 qm

Höhe der Fahrzeughalle 5 m

Umbauter Raum insgesamt 2 010 cbm

Kosten: Gesamtkosten 1,215 Millionen DM, davon 200 000 DM Landeszuschuss

Am 22. Dezember 1982 erfolgte der 1. Spatenstich für das neue Gerätehaus. Leider konnte Wehrführer Karl Fuchs, der sich mit großer Leidenschaft für den Neubau eingesetzt hatte, diesen nicht mehr erleben, weil er im 30. September 1982 verstarb.

1SpatenstichGeraetehaus

Spatenstich am 22.12.1982

 

Die Bauarbeiten liefen über das gesamte Jahr 1983. Doch ließ der stetige Baufortschrift das Ziel mehr und mehr erkennen und die Vorfreude auf das neue Feuerwehrgerätehaus wuchs mehr und mehr. Die Fahrzeuge waren während dieser Zeit auf der damaligen Feuerwehrwache 5 in Nied untergebracht. Die theoretischen Unterrichte, Treffen und Sitzungen wurden in der Gaststätte „Zu den drei Hasen“ in der Hartmannsweiler Straße durchgeführt. Der Vorschlag, dafür Räume in der gegenüber dem Feuerwehrgerätehaus gelegenen Boehleschule zu erhalten, konnte nicht verwirklicht werden.

Mit der Einführung der „Stillen Alarmierung“ in der Freiwilligen Feuerwehr Frankfurt ging im Jahr 1983 das Zeitalter der Sirenenalarmierung zu Ende, das insbesondere in der Nacht für die Bevölkerung eine Belastung darstellte. Die Griesheimer Freiwillige Feuerwehr erhielt 18 Funkmeldeempfänger. Die Feuerwehrleute ohne eigenen Funkmeldeempfänger werden von den übrigen telefonisch alarmiert.

In der Jahreshauptversammlung am 8. Januar 1983 wurde Karlheinz Fuchs zum neuen Wehrführer gewählt und tritt die Nachfolge seines Vaters an.

Am 31. August 1984 wurde das neue Gerätehaus feierlich eingeweiht. Brandschutzdezernent Prof. Dr. Peter Rhein konnte zahlreiche Ehrengäste begrüßen, darunter die stellv. Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Frolinde Balser, Branddirektor Ernst Achilles, Vertreter der Kirchen, Stadtverordnete und Ortsbeiräte. Stadtrat Prof. Dr. Rhein würdigte in seiner Ansprache den verstorbenen Wehrführer Karl Fuchs mit den Worten:

„Er hat sich große Verdienste um den Neubau erworben. Er hat den Grundstein für das neue Gerätehaus gelegt und die Freiwillige Feuerwehr entscheidend geprägt. (…) Ich bin stolz darauf, mit ihm gemeinsam für eine gute Sache arbeiten zu können.“

Zusammen mit der Einweihung des neuen Gerätehauses erhielt die Freiwillige Feuerwehr Griesheim ein neues Fahrzeug, und zwar einen Rüstwagen (nach damaliger Norm RW-1).

Da die städtische Einweihungsfeier formal nur geladenen Gästen vorbehalten war, entschied die Griesheimer Feuerwehr am 1. und 2. September 1984 Tage der offenen Tür zu veranstalten und den Griesheimer Gelegenheit zu geben, das neue Feuerwehrgerätehaus zu besichtigen. Dazu gab es Kaffee und Kuchen sowie gegrillte Würste. Diese Veranstaltung wurde gut besucht und war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg.

Das neue Gerätehaus zeigte sich als Glücksfall für die Griesheimer Feuerwehr und war Voraussetzung und Ausgangspunkt vieler neuer Aktivitäten. Aufgrund der guten Resonanz bei den Tagen der offenen Tür regte Wehrführer Karlheinz Fuchs auf der Vorstandssitzung vom 16.12.1984 an, im Stadtteil Griesheim am Wäldchestag im Gerätehaus eine Fest für die Griesheimer zu organisieren. Damals waren die Veranstaltungen am Wäldchestag noch stärker auf das Festgelände am Oberforsthaus beschränkt, wo das Fest mindestens seit 1802 statt findet. Im Stadtteil Griesheim gab es am Wäldchestag keinerlei Veranstaltungen. Somit war der 16. Dezember 1984 die Geburtsstunde des Griesheimer Wäldchestages, der ab 1985 jedes Jahr mit Ausnahme des 100. Jubiläumsjahres 1991 statt fand. Der Wäldchestag fand in den folgenden Jahren zusätzlich zu den Tagen der offenen Tür statt, welche später aufgegeben wurden.

Einer der größten Nachteile des alten Gerätehauses war, dass dort keine Jugendarbeit möglich war und es deshalb auch keine Jugendfeuerwehr in Griesheim gab. Bereits in der Jahreshauptversammlung am 31. März 1984, als das neue Gerätehaus noch im Bau war, erklärte Wehrführer Karlheinz Fuchs, dass mit dem Einzug und Inbetriebnahme desselben auch die Aufstellung einer Jugendfeuerwehr möglich und auch vorgesehen sei. Dafür sei Fritz Diederich zuständig.

Für Fritz Diederich war die Aufstellung einer Jugendfeuerwehr von großer Bedeutung. Aus seiner Heimatgemeinde, dem saarländischen Dudweiler, kannte er eine gut funktionierende Jugendfeuerwehr neben einer starken Einsatzabteilung. Seine vielfältige Erfahrung über Jugendarbeit in der Feuerwehr konnte er gut in Griesheim, wohin er aus beruflichen Gründen gekommen war, einsetzen. Im Nachhinein erwies sich dies als Glücksfall für die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim. Damals hatte die Einsatzabteilung infolge der Möglichkeit, sich durch Dienst bei der Feuerwehr vom Wehrdienst freistellen zu lassen, stetigen Zugang von neuen jungen Mitgliedern, wobei der eine oder andere nach Ablauf der Verpflichtung bei der Feuerwehr blieb. Durch Verkürzung der Wehrdienstzeiten und aktuell der Aussetzung des Wehrdienstes fiel diese Quelle neuer Mitglieder weg und die Freiwilligen Feuerwehren sind auf eine aktive Nachwuchsarbeit angewiesen, wobei sie bei den Jugendlichen mit Sportvereinen und sonstigen Institutionen in Konkurrenz sind. Ohne eine gute und attraktive Jugendfeuerwehr wird langfristig keine Freiwillige Feuerwehr bestehen können. In der Freiwilligen Feuerwehr sind im Jubiläumsjahr 2011 nur noch 3 Feuerwehrleute aus Griesheim in der Einsatzabteilung, die zuvor nicht in der Jugendfeuerwehr waren.

Die Aufstellung der Jugendfeuerwehr verzögerte sich etwas. Auf der Vorstandssitzung vom 14. Oktober 1986 warf Fritz Diederich die Frage nach der Unterbringung der Jugendlichen im Gerätehaus auf. Es müsse Platz geschaffen werden für die Spinde der Jugendlichen. Ferner wurde in 1986 erörtert, ob nur Jungen oder auch Mädchen für die Jugendfeuerwehr zugelassen werden sollten. Die Gründung der Jugendfeuerwehr wird für den Wäldchestag oder das Sommerfest des Jahres 1987 geplant.

Auf der Vorstandssitzung vom 18. Dezember 1986 wurden die entscheidenden Beschlüsse gefasst. Am Wäldchestag 1987 wird bekannt gegeben, dass eine Jugendfeuerwehr aufgestellt werden wird und Interessierte Jugendliche und Eltern werden zu einem Elternabend eingeladen. Die Dienste der Jugendfeuerwehr sollen zweimal im Monat mittwochs stattfinden, wobei der gleiche Wochenrhythmus wie für die Montage der Einsatzabteilung gilt. Der Monatsbeitrag soll 2 DM betragen. Das Thema Jugendfeuerwehr soll auf die Tagesordnung der Jahreshauptversammlung 1987 gesetzt werden……

Die nächste Vorstandssitzung am 22. Februar 1987 legt fest, dass die Eltern der Jugendlichen, die sich für die Jugendfeuerwehr interessieren, zu einem Elternabend am 12. Juni 1987 eingeladen werden, bei dem auch der Stadtjugendwart anwesend sein soll. Die Jahreshauptversammlung am 7. März 1987 hat keine Einwände gegen die Gründung der Jugendfeuerwehr. Die hier gewählte Ausdrucksweise, die von einer Gründung einer Jugendfeuerwehr spricht, ist etwas ungenau, weil es wie zu Beginn dieser Chronik dargestellt bereits 1902 eine Jugendfeuerwehr gab und auch beim 60 jährigen Jubiläum eine Jugendfeuerwehr aufgestellt wurde. Die erste Jugendfeuerwehr bestand wohl bis 1916, die aus dem Jahr 1951 nur kurze Zeit bis nach den Feierlichkeiten. Insofern handelt es sich formal um eine Reaktivierung oder Wiedergründung. Allerdings waren die früheren Jugendfeuerwehren mehr für die Aufgabe, an Festen und Festumzügen teilzunehmen, aufgestellt. Regelmäßige Übungen, Theorieunterricht und allgemeine Jugendarbeit gab es nicht oder nur in geringem Umfang. Bei der Jugendfeuerwehr des Jahres 1987 handelt es sich um eine Jugendfeuerwehr moderner Prägung mit regelmäßigen Diensten, Unterrichten, Übungen und Fortbildungen. Daher und wegen der großen zeitlichen Lücke kann man in gewisser Weise auch von einer Gründung der Jugendfeuerwehr im Jahr 1987 sprechen.

Erster Jugendwart war Paul Bolz. Auf der Vorstandssitzung vom 13. August 1987 berichtete er, dass die Jugendfeuerwehr einen Mitgliederstand von 20 angemeldeten Jugendlichen und 8 Interessenten habe. Unklar ist noch die Frage der Unterbringung der Bekleidung.

Vier Jahre vor dem 100 jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim wurde in der Jahreshauptversammlung am 7. März 1987 ein Festvorbereitungsausschuss gewählt. Bereits zuvor war man überein gekommen, dass dieses besondere Jubiläum wieder in besonders großem Rahmen gefeiert werden sollte. Die Festwoche wird auf den Zeitraum vom 24. Mai 1991 bis zum 2. Juni 1991 festgelegt. In den Festvorbereitungsausschuss wurden gewählt: Ralph Schäfer, Stefan Schnabel, Fritz Diederich, Mathias Huber, Heinz Lorenz, Norbert Möbius und Anna Fuchs. Um das Jubiläumsfest finanzieren zu können, wird ein Sonderbeitrag von 12 DM pro Jahr vorgeschlagen, der in der Jahreshauptversammlung des Jahre 1988 beschlossen wurde.

Der Festvorbereitungsausschuss wurden in der Jahreshauptversammlung vom 5. März 1988 gewählt und bestand aus: Anna Fuchs, Stefan Schnabel, Fritz Diederich, Ralph Schäfer, Mathias Huber, Heinz Lorenz, Norbert Mölius, Gerhard Müller, Gerhard Osterhagen, Markus Wagner und Thomas Christ.

Als vorläufiges Programm wurde festgelegt: Zum Auftakt ein Feuerwehrball im Bürgerhaus Griesheim am 24. Mai 1991, der auch eine kurze akademische Feier beinhaltet, am 31. Mai 1991 ein Country-Musik Festival im Festzelt, eine Großübung am 1. Juni 1991 sowie volkstümliche Musik am Abend im Festzelt, den Abschluss bildete am 2. Juni 1991 ein Festzug durch Griesheim mit Ausklang im Festzelt.

Als größtes Problem hatte der Festausschuss die Frage nach einem geeigneten Standort für das Festzelt zu lösen. Aufgrund der Umgestaltung des Griesheimer Mainufers infolge des Baus eines Kanals vom Klärwerk war dort keine ausreichend große Freifläche mehr vorhanden und auch sonst gab es innerhalb der Siedlungsfläche keinen geeigneten Platz. Daher wurde der Parkplatz des Werks Griesheim der damaligen Hoechst AG, der sich zwischen Stroofstraße und Main befand, vorgeschlagen. Das Festzelt soll 2500 bis 3000 Personen fassen können. Auf der Jahreshauptversammlung 1989 wurden die Mitglieder des Festvorbereitungsauschusses in den Festausschuss gewählt. Gerhard Osterhagen wird von den Mitgliedern des Festausschusses zum Vorsitzenden gewählt.

Die Hoechst AG erteilt keine Zusage für den Parkplatz am Main als Festplatz. Stattdessen wird von der Hoechst AG der Parkplatz Nord in der Lärchenstraße vorgeschlagen. Schirmherr der 100 Jahrfeier wird der Leiter des Werkes Griesheim, Dr. Gerd Rümmler. Der Festausschuss beschließt, den Parkplatz Nord als Fest- und Zeltplatz zu nehmen. Weil der Festplatz deutlich außerhalb des alten Ortskerns und auch des Siedlungsbereichs im Gewerbegebiet liegt, kommt man überein, einen kostenlosen Pendelbus zwischen dem Festplatz und verschiedenen Stationen in Griesheim einzurichten, damit die Griesheimer die Veranstaltungen im Festzelt besser erreichen können.

Im Mai 1989 wurden die Künstlerverträge geschlossen. Zur großen Freude der Griesheimer Feuerwehr konnte für das Country-Musik-Festival die bundesweit bekannte Gruppe Truck-Stop engagiert werden. Für den Feuerwehrball wurde die John-Helsing-Showband sowie Antonia mit 4 Tänzerinnen verpflichtet. Den Volkstümlichen Abend gestalteten German Hofmann und die Original Ochsenfurter Blasmusik sowie Takeo Ischi, der als jodelnder Japaner aus vielen Fernsehsendungen bekannt ist.

Das Jahr 1990 war mit vielen Sitzungen zur Detailplanung der Feierlichkeiten verbunden. Der Festausschuss traf sich etwa monatlich, ab dem 2. Halbjahr 1990 etwa alle zwei Wochen. Holger Arnold kommt zum Festausschuss hinzu.

Einen weiteren Umbruch in der Freiwilligen Feuerwehr gab es im Jahr 1990. Britta Engel wurde das erste weibliche Mitglied der Einsatzabteilung. Wie ungewöhnlich aktive Frauen zu dieser Zeit, die erst 21 Jahre zurück liegt, in der Feuerwehr waren, zeigt, dass die Frankfurter Bildzeitung einen großen Bericht mit Bildern über die erste „Feuerwehrfrau“ veröffentlichte. Aber auch die Protokolle der Vorstandssitzungen, die zahlreiche Nachfragen beim Kreisverband sowie die Anfrage an andere Feuerwehren nach Erfahrungen mit Frauen in der Einsatzabteilung enthalten, lassen den Grad der Neuerung spürbar werden.

Neben vorbereitenden Sitzungen des Festausschusses beginnen im Frühjahr 1991 die Werbemaßnahmen für die Veranstaltungen. Am 15. März 1991 werden die Werbezettel für den Feuerwehrball verteilt, zu dem als Conférencier Fred van Geez kommt. Der Kartenvorverkauf erfolgt in zahlreichen Griesheimer Geschäften sowie über einen kommerziellen Vorverkauf.

Den Auftakt der Festwoche vom 24. Mai bis 2. Juni 1991, „eine Jubiläumsfeier wie sie der Stadtteil noch nie erlebt hat“, so Wehrführer Karlheinz Fuchs gegenüber der Frankfurter Rundschau, bildete der Feuerwehrball. Er war ein gelungener Auftakt. Ein in jeder Hinsicht gelungener Abend war das Country-Musik-Festival am 31. Mai 1991, bei dem rund 3 000 Zuschauer mit der Gruppe Truck-Stop sowie der Vorgruppe Roving-Gamblers aus Frankfurt feierten. Als kluge Entscheidung erwies sich, die zahlreichen Fanclubs von Truck-Stop im Vorfeld anzusprechen. So kamen auch viele Fans aus weiter entfernten Gegenden.

Leider ging es nicht so erfolgreich weiter. Nur rund 400 Zuschauer besuchten den Volksmusik Abend am 1. Juni 1991 mit German Hofmann und der Original Ochsenfurter Blasmusik sowie Takeo Ischi und wirkten in dem 3000 Menschen fassenden Zelt etwas verloren. So recht konnte sich das keiner erklären, zumal es mit dem kostenlosen Pendelbus ganz leicht war, das Festzelt in der Lärchenstraße von Griesheim aus zu erreichen. Im Stadtteil gab es mehrere Haltepunkte für den Bus. Noch schlimmer war der Festausklang am Sonntag als lediglich 150 Zuhörer zur Medium Dance Band kamen. Doch zuvor gab es am Nachmittag des 2. Juni 1991 eine in Griesheim seltene Veranstaltung, einen großen Festumzug durch den Stadtteil. Ingesamt 800 Festzugsteilnehmer zogen vom Aufstellungsraum Griesheimer Stadtweg östlich Autobahnbrücke durch die Straßen des Stadtteils über die Omegabrücke, die Waldschulstraße in das Festzelt in der Lärchenstraße. Rund 7 000 Zuschauer säumten die Straßen und ließen den Festumzug zu einem Höhepunkt des Jubiläumsfestes werden.

Je nach Gewichtung verschiedener Aspekte kann man in der Bewertung der 100 Jahrfeier zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ohne Zweifel steht, dass die Freiwillige Feuerwehr Griesheim der Bevölkerung in Griesheim ein Fest geboten hat wie es in den letzten Jahren kein anderer Verein getan hat. Sowohl bei den Mitgliedern der Feuerwehr als auch bei den Griesheimer Bürgern ist die 100 Jahrfeier der Feuerwehr in guter Erinnerung und deshalb hat es sich gelohnt, sie organisiert zu haben.

Nach der 100 Jahr Feier ist im Verein ein personeller Umbruch erfolgt. Dies kam daher, dass viele aktive Mitglieder, sich noch vorgenommen haben, die 100 Jahr Feier mitzumachen. Auch haben sich einige Mitglieder über mehrere Jahre sehr stark engagiert und wollen sich nun auf andere Bereiche und ihre berufliche Laufbahn konzentrieren. Im Ergebnis beendeten in den Jahren nach dem Jubiläum viele aktive Kameraden ihren Dienst in der Einsatzabteilung. Auch Wehrführer Karlheinz Fuchs beendete aus beruflichen Gründen seine aktive Zeit. Zu seinem Nachfolger wurde in der Jahreshauptversammlung am 7. März 1992 sein bisheriger Stellvertreter Fritz Diederichgewählt.

Die Jugendfeuerwehr feierte 1997 den 10 Jahrestag ihrer Wiedergründung mit einem großen Fest auf der Sportanlage von Schwarz-Weiß Griesheim auf dem Rebstockgelände. Neben einem Spiel ohne Grenzen richtete sie auch die Frankfurter Stadtmeisterschaft zum Bundeswettbewerb 1997 aus. Als Gäste nahmen an dem Wettbewerb die Jugendfeuerwehr aus Andernach und Dudweiler (Saarland) teil.

Im Jahr 2001 wurde die Bewerbsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim ins Leben gerufen. Bereits im Jahr 1925 ist in Österreich eine Feuerwehr-Wettübung belegt. Ab 1930 fand besonders in Österreich Wettschlauchlegen öfters statt. Dies war Ausdruck des Wunsches der Feuerwehrleute ihr Können zu zeigen und miteinander zu vergleichen. Daraus entwickelten sich nach dem 2. Weltkrieg die Feuerwehrbewerbe.

Der Bewerb bildet typische Situationen des Löschangriffs der Feuerwehr ab und überführt sie in eine sportliche Disziplin. Im Wettkampf wird die Wasserentnahme aus einem Fluß, Bach oder sonstigen offenen Gewässer mit 4 Saugschläuchen aufgebaut. Von der Pumpe wird eine 40m lange Wasserversorgungsleitung in Richtung des Brandherdes gelegt und ein Verteiler angeschlossen, von dem zwei je 30 m lange Schläuche weiter in Zielrichtung verlegt und Strahlrohre zur Wasserabgabe auf das Feuer angekuppelt werden. Wenn die letzte Aufgabe erfüllt ist, wird die Zeit gestoppt. Jeder Fehler bei der Wettkampfübung führt zu Punktabzügen durch die Wertungsrichter. Als zweiter Teil folgt ein besonderer Staffellauf über 9 mal 50 m. Im Gegensatz zur Leichtathletik gibt es aber Hindernisse wie eine 8 m lange Kunststoffröhre, die durchsprungen werden muß, einen Schwebebalken von 6 m Länge sowie eine 1.5m hohe Holzwand.

Bei diesem Feuerwehrsport handelt es sich nicht um einen Spaß sondern um echten Leistungssport, der seinen Höhepunkt bei den Feuerwehr-Olympiaden findet.

Wiederum war es Fritz Diederich, der bereits im Jahr 1987 die Wiedergründung einer Jugendfeuerwehr initiiert hatte, der sich dafür einsetzte, dass die Freiwillige Feuerwehr Griesheim eine Bewerbsgruppe (damals noch Wettkampfgruppe genannt) aufstellte. Und es gelang ihm im Jahr 2001 rund 10 junge Leute aus der Einsatzabteilung dafür zu begeistern, sich neben den Diensten der Einsatzabteilung zu Übungsabenden zu treffen. Die Fahren zu auswärtigen Bewerben, die ersten Erfolge und die unermüdliche Motivation durch Wehrführer Fritz Diederich lies die Griesheimer Bewerbsgruppe sich entwickeln und heute zu einem Träger des Namens Freiwillige Feuerwehr Griesheim und der Stadt Frankfurt am Main in Deutschland und den umgebenden Nachbarländern werden. Über die Entwicklung der Bewerbsgruppe, die in diesem Jahr ihr 10 jähriges Bestehen feiert, berichtet ausführlicher ein eigener Artikel in dieser Festschrift.

Die erfolgreiche Teilnahme an Bewerben, zudem mit steigendem Erfolg, veranlasste im Jahr 2005 die Griesheimer Bewerbsgruppe selbst Veranstalter eines Bewerbes zu werden. Die Idee fand Zustimmung in der gesamten Feuerwehr und sofort begann die Planung für den Bewerb, der für den Zeitraum vom 30. Mai 2008 bis zum 1. Juni 2008 terminiert war. Wie schon beim 100 jährigen Jubiläum erwies es sich als schwierig, einen geeigneten Platz für den Bewerb zu finden. Leider war es innerhalb Griesheims nicht möglich, weil es keine ausreichend große Sportanlage gibt. Neben einem Fußballfeld werden eine Laufbahn sowie ausreichend Platz für ein großes Festzelt und sonstige Einrichtungen benötigt. Letztlich erfüllte nur die Sportanlage auf dem Rebstockgelände die Voraussetzungen. Sie hat allerdings den Nachteil, dass sie deutlich außerhalb der Siedlungsflächen liegt. Die Stadt Frankfurt und die Messe AG stellten die davor gelegenen Messeparkplätze zur Verfügung.

Den Auftakt des 11. Hessischen Landespokalbewerb mit Deutschlandpokalwertung bildete ein Empfang im Kaisersaal des Frankfurter Römer für Bewerter, Gruppenführer und sonstige Repräsentanten, zu dem derBrandschutzdezernent Stadtrat Volker Stein für 18 Uhr eingeladen hatte. Im Anschluss gab es ein Frankfurter Buffet. Im Festzelt spielte ab 20 Uhr die Frankfurter Country-Band The Roving Gamblers. Die rund 500 Teilnehmer aus Polen, Österreich, Luxemburg und natürlich Deutschland waren in Schulen und Hotels untergebracht.

Der eigentliche Bewerb begann am Samstag, 31. Mai 2008, um 9 Uhr. Ab 10 Uhr war auf den Messeparkplätzen vor dem ADAC Übungsgelände die große Fahrzeugschau aufgebaut. Zur Abwicklung des Funkverkehrs, insbesondere bei der Anreise der Bewerbsgruppen, war während der Bewerbstage die ELW 3, die sich in Abrollbehältern befindet, aufgebaut und in Betrieb.

In der Klasse B, bei der das Alter der Teilnehmer in die Berechnung einfließt, ging der Sieg an die Mannschaft der FF Langenbach in Niedersachsen. Den Sieg in der Klasse A holten sich die Feuerwehrleute von der FF Bienenbüttel in Niedersachsen. Die besten 16 Mannschaften traten beim Griesheim-Cup im K.O.-System gegeneinander an, wobei hier nur ein Löschangriff durchgeführt wird. Den von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gestifteten Pokal holte sich die Gruppe aus Herrenberg-Kuppingen in 34.9 Sekunden.

Die Griesheimer Bewerbsgruppe erreichte den 31. Platz unter 42 Teilnehmern. Bedenkt man, dass die Griesheimer als Ausrichter und Gastgeber voll in die Vorbereitung des Bewerbs mit Aufbau des Festzeltes und Herrichten des Bewerbsplatzes eingebunden waren, ist dies ein zufrieden stellendes Ergebnis. Schließlich baut keine Fußballmannschaft vor dem Spiel persönlich das Stadion auf, betonte Wehrführer Fritz Diederich.

Zum Abschluss des Bewerbs spielte nach der Siegerehrung auf dem Bewerbsplatz die Gruppe „Original Gipfelstürmer Trio“ im Festzelt.

Das Feuerwehrgerätehaus ist nun 27 Jahre alt. Für ein Gebäude eigentlich noch recht jung. Bei Funktionsgebäuden ist es aber auch wichtig, ob sämtliche behördlichen Bestimmungen und ähnliche Regelungen erfüllt werden können. So ist im Jahr 2010 eine Abgasabsauganlage nachgerüstet worden. Allerdings ist absehbar, dass sich verschärfende Vorschriften zum Beispiel für die Aufbewahrung der Feuerschutzkleidung im vorhandenen Gebäude kaum mit Umbauten und Nachrüstungen umgesetzt werden könnten. Daher war es eine gute Fügung, dass nach dem Tod des Ehepaars Holy deren Grundstück der Stadt Frankfurt zum Kauf angeboten wurde. Bereits zu Lebzeiten hatten sie den Wunsch geäußert, dass ihr Grundstück später einmal zur Feuerwehr kommen möge. Wehrführer Fritz Diederich damals sehr erfreut gegenüber der Presse: “Das ist eine Jahrhundertchance! Ein Grundstück direkt am bestehenden Gerätehaus ist eine ideale Erweiterungsfläche. Ein vorweggenommenes Geschenk für unsere 120 Jahr Feier im Mai 2011.”

Durch den Kauf des Nachbargeländes erhält die Freiwillige Feuerwehr die notwendige “Luft zum Atmen”. Das Feuerwehrgerätehaus liegt zentral und verkehrsgünstig. Bis auf den Platzmangel ist es optimal. Diese Einschränkung fällt nun weg und die Freiwillige Feuerwehr Griesheim hat jetzt Potential zur weiteren Entwicklung für die kommenden Jahrzehnte.

Dem Kaufvertrag hat die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung vom 16. Dezember 2010 zugestimmt.

Mit einer akademischen Feier wird die Freiwillige Feuerwehr Griesheim am Samstag, 28. Mai 2011, im Bürgerhaus Griesheim ihr 120 jähriges Bestehen feiern.

 Danksagung:

Eine Chronik ist das Werk vieler. Jeder, der Bilder, Protokolle, Festschriften und sonstige Dokumente nicht wegwirft, sondern ins Archiv des Vereins einbringt, trägt dazu bei, dass viele Quellen für die Geschichte des Vereins vorhanden sind. Zum Glück gab es in der 120 jährigen Geschichte immer wieder Menschen, die sich dem Erhalt von wichtigen Dokumenten befasst haben. Besonderer Dank gebührt dem Griesheimer Stadtteilchronisten Johannes Ickstadt (+), der im Jahr 1985 in Heft 5 der Griesheimer Schriftenreihe „Geschichte des Feuerlöschwesens in Griesheim“ den Zeitraum von Gründung der Wehr bis ins Jahr 1984 erschloss. Insbesondere die Teile bis zum 60 jährigen Jubiläum 1951 sind wörtlich mit nur geringen Änderungen dieser Veröffentlichung entnommen. Dass über die Frühzeit (1900 bis 1930) der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim so viel Material existiert ist vor allem dem Vorsitzenden des Presse-Ausschusses Rudolf Winterer zu verdanken. Er ist auch der Verfasser der 152 Seiten umfassenden Festschrift zum 35 jährigen Bestehen verbunden mit dem 27. Nassauischen Feuerwehr-Verbandstages im Jahr 1926. Diese Chronik war wiederum eine wichtige Quelle für Johannes Ickstadts Heft. Besonders zu danken ist auch dem heutigen Archivar Horst Marquardt. Ohne seine in den letzten Jahren vorgenommene Aufbereitung und Vervollständigung des Archivs wäre die Erstellung dieser Chronik nicht möglich gewesen. Für die Unterstützung bei der Erschließung von fremden Archiven und die Einarbeitung unseres Archivars in die Tätigkeit eines „Feuerwehrhistorikers“ sind wir Helmut Herth dankbar. Für die zügige und gewissenhafte Korrektur der Chronik danke ich dem stellvertretenden Wehrführer Olaf Friedeck.

Der Verfassser

 

Festschrift zum 110 jährigen Bestehen des Kreisfeuerwehrverbandes Frankfurt am Main, 1979, Seite 77